7 gute Gründe gegen die Primarschulreform
1. Schulreformchaos:
Profiloberstufe, Doppeljahrgang, die selbstverwaltende Schule und die Stadtteilschule werden gerade eingeführt oder kommen demnächst. Noch eine Reform oben drauf und das Chaos ist perfekt!
2. Soziale Spaltung der Stadt wird festgeschrieben:
da Schüler in ihren Stadtteilen bleiben müssen und keine Chance auf frühzeitigen Wechsel erhalten.
3. Statt „kurze Beine- oder, kurze Wege“ massenhaftes Schul-Pendeln:
tausende Kinder im Grundschulalter und hunderte Lehrer werden zum Pendeln gezwungen, denn fast keine Grundschule hat genügend Räume auch noch die Jahrgänge 5 und 6 aufzunehmen.
4. Schwache und starke Schüler werden vernachlässigt:
kein Lehrer kann bei einer pubertierenden 5. oder 6. Primarschulklasse den schwachen und den hochbegabten „Randgruppen“ gleichzeitig gerecht werden.
5. Kein Elternwahlrecht mehr für die weiterführende Schule:
die Zeugniskonferenzen der Primarschulen werden über den weiteren Bildungsweg der Schüler ohne Mitsprache der betroffenen Eltern entscheiden .
6. Entscheidung über Schullaufbahn bereits vor der Einschulung:
da in den Primarschulen bereits auf bestimmte Profile der anschließenden Schulen hingearbeitet werden muss. Diese Entscheidung wird also von der 4.Klasse vor die Einschulung vorverlegt.
7. Geldverschwendung:
anstelle Steuergelder in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro für ein Primarschul-Experiment zu verschleudern, (dessen mögliche Wirkung unter Experten höchst umstritten ist) sollte das Geld unter anderem verwendet werden für:
- Einrichtung kleiner Klassen
- bessere Ausstattung aller Schulen
- Lehrerfortbildung
- individuellere Förderung der Schüler
- vorschulische Sprachausbildung
- Arbeit in sozialen Brennpunkten (bspw. professionelle Hausaufgabenhilfen)
- Finanzierung der Grundschulen auf OECD-Niveau
- Erhöhung der Wahlmöglichkeiten für besonders begabte Schüler
10 gute Gründe, um an der
Demonstration am 19.09.2009 (11:00 Uhr Gänsemarkt) gegen die in Hamburg geplante Schulreform teilzunehmen
1. Fehlende Räumlichkeiten:
Die fehlenden Räumlichkeiten für die Primarschule müssen mit Millionen von Steuergeldern gebaut werden, während in den weiterführenden Schulen die Räume der 5. und 6. Klassen leer stehen.
2. Abschaffung von Klassengemeinschaften und Klassenlehrern/innen in den Klassenstufen 1-6:
Statt dessen ein Kurssystem mit ständig wechselnden Mitschülern und Jahrgangsteams von 7-10 Lehrkräften. Die für junge Schüler so wichtige emotionale Bindung zu einem/r Klassenlehrer(in) und zu einer festen Klassengemeinschaft wird es nicht mehr geben.
3. Alle Leistungsniveaus gemeinsam in Klassenstufen 1-6:
Die erhebliche Leistungsschere zwischen Hauptschul- und Gymnasialniveau in einer Lerngruppe erfordert einen binnendifferenzierten Unterricht, um allen Schülern gerecht zu werden. Es würde jedoch Jahre dauern, die dafür notwendigen Voraussetzungen (besondere Schulung der Lehrkräfte, Einstellung weiterer qualifizierter Lehrkräfte, zusätzliche Räumlichkeiten, Erstellung von geeignetem Unterrichtsmaterial) zu schaffen. Ohne diese Rahmenbedingungen wird ab Sommer 2010 kein individualisierter Unterricht möglich sein. Damit wird sich der Unterricht an den schwächeren Schülern orientieren müssen mit der Folge der Absenkung des Schulbildungsniveaus.
4. Reduzierung der Bildungsvielfalt:
Die besonderen Profile der weiterführenden Schulen (musisch, sportlich, bilingual, humanistisch) können nicht an allen bis zu 30 Grund- bzw. Primarschulen angeboten werden, von denen jetzt Schüler auf eine weiterführende Schule kommen. Damit wird es ohne Not zu einer Reduzierung der Bildungsvielfalt in Hamburg kommen. Außerdem wird sich das Profilangebot an den Primarschulen von Jahr zu Jahr ändern – je nach Interessenlage der Schüler bzw. ihrer Eltern.
5. Pendeln der Lehrkräfte:
Die Lehrer der weiterführenden Schulen müssen an verschiedene Primarschulen pendeln und werden damit einen erheblichen Anteil ihrer Arbeitszeit auf der Straße verbringen. Diese Zeit geht den Schulkindern verloren und bedeutet eine weitere Verschwendung von Steuergeldern.
6. Abschaffung des Elternwahlrechts:
Statt des Elternwahlrechts hinsichtlich der weiterführenden Schulen sollen
- Lernentwicklungsberichte,
- noch in der Entwicklung befindlichen "validen" Kompetenzfeststellungsverfahren und
- die subjektive Einschätzung der Lehrkräfte bezüglich der "Selbstwirksamkeitsüberzeugung" der Schülerinnen und Schüler
bindend über eine Gymnasialempfehlung entscheiden. Diese Verfahren sind bislang allerdings noch nicht entwickelt und damit auch nicht praxiserprobt. Die Hamburger Lehrkräfte werden damit bis zum Sommer 2010 nicht in ihrer Anwendung geschult werden können.
7. Zahlenmäßige Beschränkung der Gymnasiasten:
Nach den bekannt gewordenen und von der Behörde nicht dementierten Planungsgrundlagen sollen künftig nur ca. 41 % eines Jahrgangs eine Gymnasialentscheidung erhalten, obwohl in diesem Schuljahr mehr als 50 % Viertklässler auf einem Gymnasium angemeldet wurden. Die Begründung der Schulbehörde lautet, dass die Stadtteilschulen erfolgreich werden müssen, wozu auch ein Gutteil gymnasialer Schüler benötigt werde. Statt die Eltern mit guten Stadtteilschulen zu überzeugen, wird zu Zwangsmaßnahmen gegriffen.
8. Schwächung und schließlich Zerstörung der erfolgreichen Schulen:
Die erfolgreichen weiterführenden Schulen in Hamburg werden durch die Schulreform kaputt gemacht. Die fehlenden Jahrgänge 5 und 6 (und für die Gymnasien darüber hinaus noch die Gymnasiasten-Quote) wird zu einer erheblichen Reduzierung der Schüler führen, weshalb etliche Schulen geschlossen werden. Die Profile der weiterführenden Schulen (musisch, bilingual, sportlich, humanistisch) werden zwei Jahre kürzer gelehrt und zu einem Zeitpunkt beginnen, in dem sich viele Kinder zumindest in der Vorpubertät befinden. In dieser Phase ist es schwierig, sie beispielsweise für musische oder humanistische Inhalte zu begeistern. Die weiterführenden Schulen werden in der 7. Klasse Kinder bekommen, die in den Klassenstufen 5 und 6 nicht im besonderen Profil der jeweiligen weiterführenden Schule unterrichtet worden sind. Dadurch wird es zu einer starken Verwässerung der etablierten und erfolgreichen Profile kommen.
9. Schulreform nach Legislaturzeitplan:
Frau Goetsch will die Schulreform in dieser Legislaturperiode durchsetzen, weil sie nicht weiß, ob sie nach der nächsten Bürgerschaftswahl noch Schulsenatorin sein wird. Machtpolitische Ambitionen haben Vorrang vor sauberer inhaltlicher Arbeit – zum Nachteil der Hamburger Schulkinder. Frau Goetsch fordert von den Hamburger Lehrkräften und Schulen innerhalb nur eines Jahres bis zum Sommer 2010:
- zwei Einschulungstermine pro Jahr zu ermöglichen;
- binnendifferenzierten und individualisierten Unterricht durchzuführen;
- jahrgangsübergreifenden Unterricht über drei Altersklassen hinweg umzusetzen;
- Lernentwicklungsberichte und Lernvereinbarungen anzufertigen;
- noch nicht entwickelte Kompetenzfeststellungsverfahren anzuwenden;
- noch nicht entwickelte standardisierte Instrumente im Rahmen der Erstellung der Übergangsberechtigung nach Klasse 6 einzusetzen;
- ein noch nicht entwickeltes Punktesystem in den Klassenstufen 4-9 anzuwenden.
Dieses Mammutprogramm kann offensichtlich nicht innerhalb eines Jahres bewältigt werden. Gleichwohl will Frau Senatorin Goetsch an ihrem Zeitplan festhalten – aus politischen und ideologischen Gründen.
10. Versuchskaninchen:
Die Kinder, die bis zum Sommer 2010 Grundschüler sind, sollen ab dann Primarschüler sein, obwohl das Primarschulsystem bis dahin weder räumlich noch inhaltlich vorbereitet sein wird. Sie werden damit als Versuchskaninchen missbraucht.







